Unterschiede im Suchverhalten von Männern und Frauen

Männer ticken anders als Frauen – und umgekehrt. Das klingt wie eine Stammtischweisheit und wird oft ein wenig belächelt. Gleichwohl ist diese Aussage in unzähligen Varianten immer wieder ein beliebter Aufhänger für Gespräche über alle möglichen Themen von der Freizeitgestaltung bis hin zu den Ansprüchen an eine Beziehung oder an den Partner. Dass das Thema durchaus auch in der Praxis relevant ist, zeigt die Tatsache, dass beispielsweise auch beim Suchverhalten von Männern und Frauen im Internet zum Teil deutliche Unterschiede sichtbar werden. Dazu liegen inzwischen auch Untersuchungen vor. Offenbar ist es tatsächlich so, dass bestimmte als typisch männlich oder typisch weiblich charakterisierte Eigenschaften und Vorgehensweisen sich auch bei der Suche nach Informationen spürbar auswirken. Nicht nur, dass Männer eher nach Begriffen wie Autoteile suchen und Frauen eher nach Lipödem recherchieren. Es lassen sich auch andere Schlussfolgerungen ziehen.

Zunächst einmal kann es sehr hilfreich sein, sich mit den geschlechtsspezifischen Eigenheiten bei der Informationssuche auseinanderzusetzen, um das eigene Suchverhalten kritisch überprüfen und gegebenenfalls optimieren zu können. So kann es beispielsweise Themen und Situationen geben, in denen man mit "weiblichen" Suchstrategien und -methoden besser vorankommt, während in anderen Fällen der "männliche" Weg eher zum Ziel führt. Wer um diese Zusammenhänge weiß, kann sie bewusst nutzen. Darüber hinaus gibt es auch bereits Überlegungen, wie sich geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Suche nach Informationen für Werbezwecke nutzen lassen. So stellt sich beispielsweise die Frage, ob sich aus der Art, wie jemand sucht, Rückschlüsse auf das Geschlecht ziehen lassen. Falls ja, könnte dies beispielsweise genutzt werden, um auf Suchmaschinen-Seiten geschlechtsspezifische Werbung einzublenden – je nachdem, ob sich die betreffende Person durch ihr Suchverhalten als weiblich oder als männlich "geoutet" hat.

Doch wie muss man sich die unterschiedlichen Herangehensweisen von Männern und Frauen nun im Detail vorstellen? Zunächst einmal scheinen sich Frauen mit einem bestimmten Suchergebnis schneller zufriedenzugeben als Männer. Positiv daran ist sicherlich, dass die Suche offenbar zielgerichteter erfolgt und insgesamt dann wohl auch weniger Zeit verschlingt. Männer dagegen verwenden offensichtlich mehr Zeit für die Suche, landen dabei aber möglicherweise auch mehr interessante Zufallstreffer, die bei einem früher beendeten Suchvorgang nicht aufgetaucht wären und vielleicht neue, wichtige Informationen und Anregungen geben.

Ein weiterer Unterschied betrifft die Nutzung von Suchmaschinen ganz generell. Während Frauen sie primär nur zu ihrem eigentlichen Zweck nutzen, setzen Männer Suchmaschinen oft auch dann ein, wenn das gar nicht unbedingt erforderlich wäre, – etwa um schnell eine bekannte Seite aufzurufen, ohne die entsprechende URL eingeben zu müssen. Ein weiterer Punkt dürfte vielen Menschen auch aus dem Alltagsleben bekannt vorkommen. Männer neigen häufig dazu, sich die gewünschten Informationen quasi im Alleingang zu besorgen, während Frauen auch ihre Umwelt stärker einbeziehen und Freunde, Kollegen oder andere Menschen um Hilfe bitten oder um Rat fragen. Damit steht sicherlich auch der nächste Unterschied in Zusammenhang, der die Art der bevorzugten Informationen betrifft. Während Männer vor allem auf wissenschaftliche Informationen setzen, haben für Frauen oftmals Empfehlungen einen höheren Stellenwert. Internet-Portale, auf denen Empfehlungen abgegeben und ausgetauscht werden, dürfen demnach wohl davon ausgehen, dass ihre Nutzerschaft überwiegend weiblich ist.

Hat die Suchmaschine erst einmal ein paar Suchergebnisse aufgelistet, tritt ein weiterer Unterschied im Verhalten von Männern und Frauen zutage. Während Männer dazu neigen, mehr zwischen Seiten mit einzelnen Suchergebnissen und der Suchmaschine hin und her zu wechseln, switchen Frauen in stärkerem Maße zwischen einzelnen Ergebnissen der Suche. Auch der häufig klischeehaft dargestellte Kontrast zwischen den angeblich wortkargeren Männern und den weitaus redefreudigeren Frauen spiegelt sich zumindest ansatzweise im Suchverhalten wider. So kommen Männer im Schnitt mit deutlich weniger Suchworten und Suchoperatoren aus als Frauen. Gibt jemand "Bootsversicherung Jacht" ein, handelt es sich vermutlich eher um einen Mann, während "Wo finde ich eine günstige Bootsversicherung für meine Jacht mit Jahresvertrag?" eher die Eingabe einer Frau sein dürfte. Auch hier ist wiederum keine klare Unterscheidung in eine bessere oder eine schlechtere Strategie möglich, beide suchen nur einfach anders, bekommen dementsprechend aber auch andere Trefferbilder. Während die erste Anfrage deutlich mehr Treffer produziert, von denen naturgemäß aber auch viele unbrauchbar sind, ist die Trefferzahl im zweiten Fall deutlich niedriger. Dafür sind bereits wesentlich mehr Treffer darunter, die die gestellte Frage relativ gut beantworten.
 

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...